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Augenzeugen

Das Projekt «Augenzeugen» beschäftigt sich mit dem Prozess des Beobachtens, der Mehrdeutigkeit des Sichtbaren und wie dem Gesehenen Bedeutung beigemessen wird. Dabei wird sowohl in der praktischen als auch in der schriftlichen Thesis die Perspektive des Augenzeugen untersucht und welchen Einfluss sie auf die Interpretation des Sichtbaren hat. Das Projekt beinhaltet verschiedene Bilderserien, in denen Begegnungen zu sehen sind, die feine, fast unsichtbare Grenzen aufbrechen.

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Während drei Semester hat mich das Projekt «Augenzeugen» beschäftigt. Das Projekt hat durch Wendungen, Veränderungen und Entscheidungen die heutige Gestalt angenommen. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten habe ich mich jedoch immer mit der gleichen Thematik auseinandergesetzt: Des Beobachtens und Beobachtetwerdens. Wir sind Augenzeugen. Wer sich mitten im öffentlichen Leben befindet, wird Zeuge von Nähe und Distanz oder erfährt sie am eigenen Leibe. Was machen wir mit diesen Zeugnissen, mit diesen Fragmenten, die wir auf unserer Reise durch die Stadt aufschnappen? Was ist wirklich sichtbar, hörbar, fühlbar, und was ist Interpretation oder Projektion? Was davon geht mich etwas an, und was lässt mich kalt? Was provoziert mich, wovon lasse ich mich faszinieren, was stösst mich ab?
Die Bilder von «Augenzeugen» zeigen solche Fragmente, die die Aufmerksamkeit eines Passanten wecken. Es sind Augenblicke, kurze Momente subjektiver Wahrnehmung, die ein Bild im Kopf des Augenzeugen hinterlassen, das erst dort richtig entsteht. Die Szenen von Begegnungen zwischen Menschen erzählen alle etwas anderes und doch fügen sie sich für den Betrachter zu einem Ganzen zusammen. Der Grundton, der in allen Bildern mitschwingt, ist ein Pendeln zwischen Normalität und Abgrund. Es sind Begegnungen, die haarscharf auf einer Kante laufen, die eine feine, unsichtbare Grenze zieht zwischen Angst, Befremdung und Erleichterung oder Gleichgültigkeit. Wer diese Ambivalenz wahrnimmt, sucht nach Hinweisen in den Bildern, die ihn entweder auf die eine oder andere Seite der Kante ziehen. Die Bilder bleiben jedoch in der Schwebe und lassen den Betrachter mit seiner Interpretation des Sichtbaren allein. So wird der Betrachter zum Augenzeugen, der eine Situation zu beurteilen versucht.
«Augenzeugen» besteht aus zwei Bildern der Serie «Frau mit Hund» (Acryl auf Karton, 180 x 120 cm) und einer Serie von 10 kleineren Bildern (Gouache auf Karton, ca. zwischen 20 x 20 cm und 30 x 40 cm). Ich möchte die Serien gerne erweitern, damit ein ganzer Raum bespielt werden kann und der Betrachter mitten in oder zwischen den Bildern steht.

Andrea Peter
Illustration
2010

Master-Thesis

Innerhalb des Projektes Augenzeugen hatte ich die Möglichkeit mich intensiv mit der Thematik des Beobachtens und der Mehrdeutigkeit des Sichtbaren zu beschäftigen, die mich wohl noch weiter, vielleicht ein Leben lang, verfolgen wird. Das Bewusstsein für die Wirkung von Bildern und die Macht des Visuellen wird als Fundament bei freien Arbeiten sowie Aufträgen präsent sein. Ebenso verhilft mir die Auseinandersetzung zu einer präziseren Bildsprache, die sich immer weiterentwickeln wird.